Veranstaltungen

Unser Rückblick auf das Sommerfest

Das bub-Sommerfest 2017 wird ohne Zweifel in die Annalen des Vereins eingehen. Zum ersten Mal nach Vereinsgründung wurde das Projekt  und die Projektidee sichtbar. Was aber viel wichtiger ist, Begegnung und Bewegung wurde am 5. August 2017 an DER Stelle, die sich bisher nur als grüne Wiese präsentiert, erlebbar – und das wirklich eindrucksvoll.

Details dazu gibt es später. Zunächst sei uns ein allgemeiner Rückblick gestattet. Während die letzten der umfangreichen organisatorischen und logistischen Vorbereitungen liefen, hatten Banner auf die Veranstaltung hingewiesen und am 5. August war schon von weitem zu sehen, dass es endlich los geht und das BuB-Team und seine Unterstützer so Einiges auf die Wiese gestellt hatten. Hatte sich in der vorausgegangenen Woche das Projekt „Abenteuerspielplatz“ im Rahmen des Ferienprogrammes der Herzogsägmühle schon ausgebreitet, so gruppierten sich ganz andere Attraktionen nun rundherum auf dem Gelände. Ein großes Tipi, ein Kletterturm, ein LKW mit Kranausleger, das waren die augenfälligsten Objekte schon aus der Ferne. Dazu kamen verschiedene Infostände, die Veranstaltungsbühne, Verpflegungseinheiten wie der Hendl-Stand, die Getränke-Kaffee-Kuchen-Bar, und natürlich Sitzgelegenheiten mit und ohne Schatten. Der Eintritt war frei, die Action sowieso und selbst das für den Abend angekündigte Live-Konzert der DiePlomaten kostete keinen Eintritt. Lediglich für Speis und Trank mussten die Besucher bei sehr angemessenen Preisen einen Obolus bezahlen. Damit war der Rahmen für ausgiebige Bewegung und Begegnung geschaffen.

Wer nun, auf welchem Weg auch immer, das barrierefreie Gelände erkundete, konnte noch weitere Aktionsflächen und Bewegungsangebote entdecken. Eines davon war der Rolli-Parcour, der mit einigen Überraschungen aufwartete die man erst bemerkt und nachvollziehen kann, wenn man direkt damit konfrontiert wird. Und das bedeutet – im Rollstuhl. So konnte jeder Besucher ausprobieren, wie es sich anfühlt, in einem Rollstuhl zu sitzen und sich damit fortbewegen zu müssen. Dazu standen verschiedene Fahrzeug-Modelle zur Verfügung. Hatte man das „Rollen“ erst einmal geschafft ging es auf den Parcours, der aber eigentlich für Rollifahrende nichts anderes bedeutet als Alltag. Hindernissen ausweichen, Objekte umfahren, Unebenheiten überwinden, das waren selbst für sportliche Besucher zum Teil Herausforderungen, die zwei bis drei Anläufe brauchten um gemeistert zu werden. Dazu ließen sich aber erfreulicherweise viele Besucher, ob jung oder älter motivieren und sie bekamen unermüdlich Tipps und Hilfestellung von Tine Kuisel und ihrer Tochter aus dem Rolliwelten-Team. Die Besucher spürten selbst, dass augenscheinlich kleine Dinge zu großen Problemen werden können. Manch einer wird nach dem Bub-Sommerfest seine alltägliche Umgebung mit etwas anderen Augen sehen.

Weiter geht es zum Klettern. Auf dem Bereich Klettern liegt der absolute Fokus unseres Vereins wenn es um Bewegungsangebote geht. Welche allgemeine, aber auch therapeutische Bedeutung Klettern besitzt wollen wir an anderer Stelle ausführen, aber es ist klar, dass insbesondere dem Klettern auf unserem Sommerfest besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Dies machten zwei Kooperationspartner möglich. Das Team des „Ich will da rauf!“ e.V. aus München, die mit Ihrem mobilen Kletterturm vor Ort waren und das Team vom Kletterwald Garmisch-Partenkirchen, die mit ihrem Klettertau mit Kugeln am Kranausleger eine andere Art des Klettern anboten, als es am Turm der Fall ist. Beiden gemein war, dass man eine besondere Aussicht auf das Gelände genießen konnte, wenn man es bis oben geschafft hatte.
Mit immerhin ca. 8 Metern ist der etwas überhängende Kletterturm schon eine Herausforderung, der sich aber gerade die jüngeren Besucher mit wachsender Begeisterung stellten. Von den jeweiligen Teams fachgerecht mit Klettergeschirr ausgestattet und  gesichert konnte jeder der wollte an den Turm und sich über die angeschraubten Griffe nach oben vorarbeiten und am „Gipfel“ das kleine Glöckchen anschlagen. Das war auf jedem Weg möglich oder aber auf bestimmten, je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedlich eingefärbten Routen. Ein ganz andere Art des Klettern wurde am Klettertau mit den Holzkugeln verlangt. Dort gab es keine Griffe sondern lediglich das Tau und die fest daran montierten Holzkugeln, auf denen man sich ausruhen und verweilen konnte. Das Ganze auch hier vom Team gewissenhaft und fachgerecht gesichert.  Natürlich standen beide Klettergelegenheiten für alle Interessierten mit und ohne Handicap zur Verfügung. Und dieser inklusive Gedanke schien Simon zu gefallen. Vielleicht hatte er auch nicht weiter darüber nachgedacht. Aber er hatte für sich einen spontanen Wunsch formuliert: „Ich will da oben an die Glocke.“

Simon will’s wissen. Simon besuchte zusammen mit seinen Eltern unser Sommerfest. Sie erkundeten wie viele andere das Gelände und beobachteten die Aktiven an den einzelnen Bewegungsangeboten. Besondere Aufmerksamkeit fiel dabei auch auf den Kletterturm. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es machte einfach Spaß dabei zuzusehen, wie die meist jüngeren Kletterer sich entlang der bunten Griffe ihren Weg nach oben suchten um an die Glocke zu kommen. So auch Simon, der plötzlich seinen Wunsch formulierte auch mal an die Glocke da oben zu wollen. Damit waren das Team von BuB und dem IWDR sofort motiviert genau das möglich zu machen.

Simons Eltern unterstützten das und so ging es raus aus dem Rolli, rein ins Klettergeschirr, angeseilt und entsprechend unterstützt an den Kletterturm. Dort versuchte Simon dann mit den Händen und Füßen Verbindung zu den Griffen am Turm aufzunehmen und – entsprechend unterstützt – seinen Weg zu gehen. Für ihn war es eine große Leistung selbständig nach den nächsten Griffen zu packen und sich dort festzuhalten und er war sehr motiviert weiter zu kommen. Einige Griffe weiter zeichnete sich ab, dass die Glocke zwar noch außerhalb seiner Reichweite war, er aber für seine Verhältnisse schon Großes geleistet hatte. Als Simons Vater ihn fragte ob er noch weiter nach oben wolle oder lieber wieder herunter entschied Simon sich für den Abstieg. So konnte er sich ins Seil hängen und wurde heruntergelassen, was ihm sichtlich Freude bereitete. Es ist eben nicht alltäglich für einen Rollstuhlfahrer die Perspektive zu wechseln. Das betrifft die Perspektive auf die eigene Umgebung genauso wie die Perspektive auf seine eigenen Möglichkeiten. Und das begeisterte nicht nur Simon und seine Eltern, sondern auch alle Besucher, die Simons kleinen Ausflug am Kletterturm mitbekommen hatten. Inklusiver hätte die Begegnung kaum ausfallen können.
Darüber machte sich Simon allerdings keine Gedanken. Er war durch das gerade Erlebte voll motiviert und wollte von seinen Eltern gleich zum nächsten großen Abenteuer geschoben werden. Er hatte den Flying-Fox ins Auge gefasst.

Der Flying Fox war eine weitere Bewegungs-Station bei unserem Sommerfest, die durch unseren Kooperationspartner Andreas Hertle vom Kletterwald GAP ermöglicht wurde. Aus einer Schneise im angrenzenden Waldstück heraus war eine Seilbahn in entsprechender Höhe an einem Baumstamm installiert worden, über die sich die Besucher, hatten Sie erst Ihr Klettergeschirr angelegt und gesichert, die Plattform auf dem Baum erklommen und an einem Seil hängend herunter fahren konnten. Am anderen Ende war das Seil an einem Fahrzeug befestigt und entsprechend abgesichert, so dass eine seichte Ankunft gewährleistet war.

Viele der jüngeren Besucher hatten großen Spaß bei der rasanten Abfahrt und das wollte Simon auch. Er kann zwar die Leiter aufs Podest im Baum nicht erklimmen, aber das sollte kein Hindernis darstellen. Dann ziehen wir ihn eben einfach hoch, kam die schnelle Antwort als Simons Eltern noch über seinen Wunsch nachdachten. Bub machts möglich und so wurde Simon erneut ausgerüstet, aus seinem Rolli befreit und ans Fahrseil gehangen. Schnell war er zur Plattform hochgezogen und konnte die rasante Fahrt hinunter ebenso genießen wie die Kinder und Jugendlichen vor ihm und nach ihm. Welchen Spaß er dabei hatte sieht man auf dem Bild. Und der aufmerksame Betrachter sieht auch welche emotionale Wirkung das auf die umherstehenden Besucher hatte. Das ist Bewegung und Begegnung wie wir uns das vorstellen. Das muss Alltag werden, nicht nur in unserem Projekt und auf diesem Gelände, sondern jeden Tag und bei allen möglichen Gelegenheiten. Ohne zunächst darüber nachdenken zu müssen, ob das überhaupt möglich ist. Es geht und das ist Inklusion.

Viele weitere Aktivitäten luden die Besucher zum Mitmachen ein. Auf dem angrenzenden Gelände der Herzogsägmühler Bogenschützen konnten sich Interessierte unter Anleitung mit Pfeil und Bogen auf dem Schießstand versuchen. Slacklines in verschiedenen Schwierigkeitsstufen luden zum Balancieren ein, in und auf den Bauwerken des Abenteuerspielplatzes wurde weiter gebaut oder einfach herumgeklettert. Speis und Trank luden zum Beisammensitzen und Kennenlernen ein und im Dunkelzelt konnten zu verschiedenen Zeiten ganz andere Erfahrungen gemacht werden. Nicht zu vergessen das große Tipi als Begegnungs- und Aktionsfläche mit besonderem Flair. Also für jeden viele Möglichkeiten sich zu Begegnen oder sich zu Bewegen, ob mit oder ohne Handicap. Kurzfristig spannend wurde es noch, als am Nachmittag unverhofft die Landwirtschaft mit großem Gerät das Gelände passieren musste um die Ernte einzufahren. Was nicht passt wurde passend gemacht. Für die Durchfahrt wurden bei allen Ständen kurz die Läden heruntergeklappt und so konnten auch der Mähdrescher und die Schlepper samt Anhänger „mal eben“ durch.

Als es dann langsam dunkler wurde, kam plötzlich Leben auf die Bühne. Die Musiker der Band „Die Plomaten“ fanden sich schon mal zum Soundcheck ein. Das wurde ein kleiner Appetizer für das Abendprogramm. Nachdem Stefan Jenuwein als Vorsitzender allen Mitgliedern, Helfern und Unterstützern seinen ausdrücklichen Dank übermittelt hatte – schließlich wäre diese Veranstaltung ohne die Kooperationspartner und Helfer gar nicht möglich gewesen – und all jene auf die Bühne geholt und vorgestellt hatte, wurde die Bühne für den Auftritt der DiePlomaten geräumt.

Ein stimmungsvoller Abschluss einer Veranstaltung, die uns und vor allem die Besucher hat erleben lassen was möglich ist, wenn der geeignete Rahmen dafür geschaffen ist, das richtige Team mit wegweisenden Ideen konsequent an der Umsetzung arbeitet und was das im Hinblick auf eine inklusive Gesellschaft bedeuten kann. In diesem Sinne arbeiten wir weiter an der Umsetzung unserer Idee und wünschen uns vielfältige Unterstützung.

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