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Unser Rückblick auf das Sommerfest 2019

Auch in diesem Jahr feierten wir unser bub-Sommerfest eingebunden in das Dorffest der Herzogsägmühle, die in diesem Jahr auch noch ihr 125jähriges Jubiläum feierte. An der aus dem letzten Jahr gewohnten und bewährten Stelle hatten viele helfende Hände in den Tagen zuvor alles vorbereitet und aufgebaut, soweit es möglich war. Die letzten Vorbereitungen waren am Morgen getroffen und die Geräte aufgebaut und die Klettertechnik installiert worden. Das Wetter erschien erfreulicherweise besser als vorausgesagt, und so konnten wir guten Mutes starten mit Inklusion durch Klettern, Sport und Bewegung und der dazugehörigen Begegnung.

Für alle Kletterfans stand in diesem Jahr neben der Kletterwand und dem Baumklettern eine Kletterscheibe zum ausprobieren zur Verfügung. Diese runde Kletterscheibe lässt sich in der Neigung verstellen und sogar leicht in Rotation versetzen. So konnte sie sehr genau auf die Leistungsstufen und Möglichkeiten der Kletterinteressierten abgestimmt werden. Wer dann feststellte, dass noch mehr möglich ist konnte den Schwierigkeitsgrad beim Klettern verstellen lassen. Eine Herausforderung mit besonderer Note, denn im Überhang noch den Schwerpunkt anpassen zu müssen weil die Scheibe sich langsam dreht erfordert schon ein gutes Körpergefühl und ein gewisses Maß an Geschicklichkeit. Aber es ging ja auch einfacher und so war auch an dieser Kletterstation anstehen angesagt.

Andere Qualitäten waren beim Baum- und Kugelklettern gefragt. Hier standen das Klettern am Baum oder am Seil bis zur nächsten Holzkugel zur Auswahl. An einem Baum waren Kletterhilfen angebracht, die denen an der Boulderscheibe ähneln und die im Zusammenspiel mit den Ästen in luftige Höhen entführten. An der zweiten Station konnten die Besucher und Besucherinnen an einem Seil bis zur nächsten Holzkugel hinaufklettern. Die Holzkugeln boten die Möglichkeit sitzend oder stehend kurz auszuruhen und die nächste Etage ins Visier zu nehmen. Zwischen beiden Stationen konnte an einem langen Seil zwischen den Bäumen geschaukelt werden. Auch hier waren die Teammitglieder von bub nahezu im Dauereinsatz. Ob allerdings am Abend die gekletterten Kinder, die bub-Teamer oder die Eltern, die vor Begeisterung die Smartphones gar nicht mehr herunternehmen um ihre Sprösslinge in Aktion abzulichten, den größeren Muskelkater hatten, bleibt fraglich.

Wer zwischen den Aktionen ein wenig entspannen oder sich erfrischen wollte konnte sich leckere Drinks an der Natursaft-Bar holen und es sich in den bereitgestellten Hängematten bequem machen. Hier war Entspannung und Begegnung vorgesehen. Die naturnahen Cocktails waren der Renner und vor dem Stand durchweg reger Betrieb.

Unterstützt wurde das bub-Team wieder vom Rolli-Welten Team, die bereits zum dritten mal, einen Rolli-Parcour aufgebaut hatten an dem sich jeder einmal ausprobieren konnte und alltäglich erscheinende Hindernisse aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrenden oder eines Rollstuhlschiebenden erfahren durfte. Eine Erfahrung, die mit Sicherheit die Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum und in der Begegnung mit Menschen schult, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
In diesem Jahr zum ersten mal zur Unterstützung angetreten war das Team des Zirkus Schweinsgalopp, das mit Jonglagemöglichkeiten zum mitmachen einlud und vereinzelt artistische Einlagen darbot. Auch hier ließ sich so mancher Besucher und manche Besucherin motivieren einmal jonglieren mit Bällen oder Keulen zu versuchen, den Hulla-Hupp-Reifen kreisen zu lassen oder sich am Diabolo zu versuchen.

Nach den überaus positiven Rückmeldungen des letzten Jahres konnten wir den Parcour der Baumraupen in diesem Jahr noch etwas erweitern. Aus der ferne erscheinen die ca 6 m langen, geschälten Baumstämme mit Ästen wie große Raupen. Drei dieser handbearbeiteten Stämme bildeten über Eck aneinandergelegt einen Parcour der besonderen Art. Besonders unsere kleinen Gäste eroberten die Stämme mit den zum festhalten emporstehenden Ästen mit wachsender Begeisterung. Am Anfang noch etwas zögerlich wollten die meisten sich irgendwann von Mutters oder Vaters Hand lösen und den Stamm auf eigene Faust durchlaufen. Mitunter sorgte unerwartet auftauchender Gegenverkehr für weitere Herausforderungen, aber auch die wurden gemeistert. Auch hier hatten nicht nur die Kinder, sondern ebenso die Eltern und Großeltern viel Spaß an den Bewegungsfortschritten Ihrer Sprößlinge.

Was natürlich nicht fehlen durfte war unser trditionelles Kistenstapeln. Nachdem die Plattform für die Kisten genau ausgerichtet worden war und die ersten Kistenkletterer am Rüststand Ihre Ausrüstung angelegt bekommen hatten ging es los. Auf der obersten Kiste stehend wurden von den Kletterenden weiter angereichte Kisten angenommen und auf die oberste Kiste gestapelt. Dann konnte auf die nächste Kiste hochgestiegen werden und weitere Kisten wurden angereicht. Ab einer bestimmten Höhe ging das nur noch vom Stapler aus. In diesm Jahr gelang es gleich zwei Kletternden alle verfügbaren Kisten zu stapeln und so knapp unter der Sicherungsplattform auf dem wackeligen Kisten-Turm zu stehen und einen neuen Rekord aufzustellen. Wer zwischendurch aussteigen musste, weil der Kistenstapel kippte, konnte sich auf die routinierte Sicherung des bub-Teams verlassen und wurde professionell abgeseilt. Das Kistenstapeln ist immer wieder eine Attraktion, die viele Zuschauer begeistert. Und deren Applaus kann sich jeder sicher sein der es versucht, egal wie hoch es mit dem Stapeln geklappt hat.

Wie schon in den vergangenen Jahren war das Interesse an den Aktionen groß und das bub-Team konnte immer wieder über den Verein und das Konzept von Inklusion durch Klettern, Sport und Bewegung aufklären und ihr Vorhaben erläutern. Informationsmaterial und Aufkleber gab es zum mitnehmen und der Termin zum nächsten Inklusionsklettern stand auch schon fest.
Hatte das Wetter sich bis zum Nachmittag überwiegend freundlich gezeigt, so erhielt die Vorhersage gegen 15:30 Uhr ihre Bestätigung, als eine Unwetterwarnung eintraf und schnell heftiger Wind und ein Gewitter aufzogen. Schnell wurden die Hängematte und andere Materialien in Sicherheit gebracht und die Besucher ebenso wie die Besucher des Dorffestes per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, zur eigenen Sicherheit die Veranstaltungshalle auf dem Gelände aufzusuchen. Auch wenn das fest ein plötzliches Ende fand, so zog das bub-Team eine positive Bilanz. Es ist ein enormer Aufwand und ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer und Vereinsmitglieder ließe sich das nicht stemmen. Ihnen allen an dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank. In dem Bewusstsein die Idee und die Möglichkeiten des Projektes wieder einmal präsentieren und erfahrbar gemacht zu haben blicken die Verantwortlichen positiv und motiviert in die Zukunft und arbeiten weiter hart daran, dass die Idee auch auf dem Gelände des Vereins bald sichtbar Gestalt annimmt. Auch in diesem Jahr wurde die Veranstaltung durch einige Sponsoren und die Aktion Mensch unterstützt. Herzlichen Dank!

Fotos: © udo leist

Unser Sommerfest wurde gefördert von:

Unser Rückblick auf das Sommerfest 2018

Das bub-Sommerfest 2018 ist nun auch schon eine Weile her aber auch in diesem Jahr hält die Begeisterung über die vielen Begegnungen und die vielfach in Anspruch genommenen Bewegungsangebote für alle Besucher noch lange an.

In diesem Jahr wurde unser Sommerfest in das Fest der Herzogsägmühle eingebunden, bekam aber einen eigenen Bereich auf dem Gelände um die besonderen Bewegungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderungen präsentieren zu können. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und viele Besucher informierten sich über unser Projekt und nahmen mit wachsender Begeisterung die unterschiedlichen Bewegungsangebote in Anspruch.

Natürlich stand auch in diesem Jahr das Klettern in vielfältiger Art und Weise im Hauptaugenmerk der Bewegungs-Angebote. Eine Kletterwand, ein Kletterturm und ein Boulderblock luden unter fachkundiger Betreuung dazu ein einmal soweit nach oben zu steigen wie man konnte oder wollte. Aber auch andere Kletterangebote ohne die gewohnten Griffe und Tritte konnten entdeckt und ausprobiert werden. Beim Baumklettern werden die Äste und zuvor angebrachte Gurte genutzt um in Luftige Höhen zu steigen. Mitunter waren die Kletternden zwischen den Ästen kaum noch auszumachen.

Ganz anders beim Kistenklettern. Hier mussten die Kletterer ziemlich konzentriert Kiste auf Kiste stapeln um die oberste Kiste zu erklimmen und dann die nächste, angereichte Kiste aufzulegen und wieder ein Stück aufzusteigen. Ein ausgeprägtes Gleichgewichtsempfinden ist hier äußerst dienlich, denn je höher der Turm wird umso leichter fängt er an zu schwanken. Die Spannung war nicht nur den Kletternden ins Gesicht gezeichnet, sondern auch den zahlreichen Zuschauern, die die Aktion verfolgten, anfeuerten und mit ausreichend Applaus bedachten. Ob die oft kleinen Kistenkletterer oder deren Eltern unter größerer Anspannung standen ließ sich mitunter nicht ausmachen. Genauso wie bei allen anderen Aktivitäten, stand die Sicherheit auch beim Kistenklettern an erster Stelle.

Neben den Kletterangeboten konnten die Besucher noch weitere Aktionsflächen und Bewegungsangebote entdecken. Der Rolli-Parcour vom Rolli-Welten Team gehörte, wie im vergangenen Jahr, wieder dazu. Tipps und Hilfestellung von den Temmitgliedern Tine Kuisel und ihrer Tochter machten es den Besuchern leichter mit einem Rollstuhl vermeintlich einfache Strecken zu fahren oder auch nur leichte Hindernisse zu überwinden. Das Gefühl in einem Rollstuhl zu sitzen und sich damit fortbewegen zu müssen war für viele Besucher eine neue Erfahrung. Dazu standen verschiedene Fahrzeug-Modelle zur Verfügung. Hindernissen ausweichen, Objekte umfahren und  Unebenheiten überwinden ist Alltag für alle Betroffenen. Die Besucher spürten selbst, dass augenscheinlich kleine Dinge zu großen Problemen werden können. Wer das einmal selber “erfahren” hat sieht seine Umgebung und so manche städtebauliche Besonderheit aus einer anderen Perspektive.

Neben dem Rolli-Parcour zogen noch weitere Angebote die Aufmerksamkeit der Sommerfestbesucher auf sich. Gleich neben dem Parcour zogen zwei beeindruckend erscheinende Baumstämme die Besucher an. Mit jeweils rund 6 Metern Länge lagen die Stämme auf dem Rasen und erschienen schon aus der Ferne wie große stachelige Raupen. Die Stämme waren sorgfältig geschält und die unterschiedlich eingekürzten Äste bildeten einen unregelmäßigen Parcour, durch den man sich hindurchschlängeln und dabei an den Ästen festhalten konnte. Eine nicht nur optische Attraktion, besonders für die kleinen Besucher und ihre Eltern. Eine spielerische Gelegenheit den Gleichgewichtssinn zu schulen und das Naturmaterial Baum/Holz auf eine andere Art kennen zu lernen.

Koordination, Feinabstimmung und Gleichgewichtsfähigkeit als Teamleistung war an der Baumwippe gefragt. Ein langer Baumstamm, der in der Mitte gelagert war lud ganze Familien oder Gruppen ein, einen Balanceakt besonderer Rafinesse zu meistern. Erst wenn die Teammitglieder unter Berücksichtigung der Größe, des Gewichtes, eines sicheren Standes und der Position auf dem Stamm optimal verteilt waren geriet der Stamm in die Waage und begann zu schweben. Schnell zeigte sich, dass anfängliche Euphorie doch noch sehr genaues Feintuning erforderte, weil der Stamm aufgrund seiner Länge eher träge reagiert und nachschwingt. Teamgeist und etwas Geduld führte hier aber mit dem einen oder anderen Tipp des Betreuungspersonals stets zum ausgewogenen Ergebnis. Letztendlich kann schon das Anheben der Arme ein entscheidender Faktor sein.

Eine besondere Herausforderung hatte sich Christine vorgenommen. Christine hatte erste Berührungspunkte mit bub aus Ihrer MS-Gruppe heraus, die von bub eingeladen wurde einmal das Klettern zu versuchen. Inzwischen hat sich aus diesem Kreis eine kleine Inklusions-Klettergruppe gebildet, die sich trotz ihrer MS-Erkrankungen unter der Anleitung und Betreuung der bub-Spezialisten zum Klettern treffen. Christine ist begeistert vom Projekt und hilft schon ehrenamtlich mit, so auch beim Sommerfest.
Für heute hatte sie sich vorgenommen es einmal am Kletterturm zu probieren. Begeistert berichtet Sie wie überrascht sie nach dem ersten Klettertermin mit dem bub-Team war. Überrascht davon was trotz ihrer Erkrankung doch noch geht und auch überrascht davon welche mentalen Auswirkungen das auf sie hat wenn sie “da oben” ist. Ähnlich gehe es den übrigen Teilnehmern aus der MS-Gruppe berichtet sie. Natürlich ist es mühsam und kostet Überwindung aber die Erfahrung  sei es auf jeden Fall wert. Das es mühsam ist wurde schnell klar als man sah, dass Christine eben nicht wie die jungen Hüpfer nebenan mal eben in den Klettergurt springen kann, sondern schon hier unterstützt werden muss. Auch beim Klettern selber ist Teamleistung gefragt. Neben der sichernden Person klettert mindestens ein “persönlicher Assistent” mit, der unterstützt wo notwendig, Fuß und Handhaltung korrigiert, hält oder unterstützt und Christine motiviert so viel selber zu machen wie möglich. Und das ist wirklich mehr als sie sich vorher zutraute. MS-Kletterer und Assistent werden im Laufe der Zeit zu einem eingespielten Team und “erleben” die Leistung der Kletternden mit ähnlicher Begeisterung. Auch Christine und Ihr Assitent klettern nicht zum ersten mal zusammen. Das war auch für die Zuschauer spürbar. Christine fühlte sich sicher und wurde motiviert aber auch gefordert, denn der persönlich Assistent weiß was sie schaffen kann.

Noch begeistert von Ihrem Erlebniss und ihrem Erfolg kam ein aufforderndes “und jetzt noch an die Baumschaukel” von Stefan Jenuwein, dem ersten Vorsitzenden von bub. Den ganzen Tag über war die Baumschaukel, ein hoch zwischen zwei Bäumen befestigtes Seil an dem man weit schwingen konnte, sehr gefragt und immer wieder waren die Jauchzer und Begeisterungsrufe der Kinder zu hören. Christine stutzte kurz als ob sie abwägen wollte ob sie dem Team “noch mehr Arbeit” machen sollte, aber Stefan ließ nicht locker, weil er weiß welch tolles Gefühl dieses Schwingen erzeugt. Also ging es zur Baumschaukel, ein paar Kisten wurden schnell zur Unterstützung herbeigeholt um die notwendige Höhe zu erreichen und nachdem Christine diese erklommen hatte konnte auch für sie der Spaß beginnen.

Ein toller Tag, da waren sich die Besucher und das bub-Team einig. Nachdem die Technik abgebaut und wieder aus den Bäumen entfernt war gab es für das Team beim geselligen Abschluß noch viele Eindrücke, die diskutiert und weitererzählt wurden. Wieder einmal war ganz offensichtlich welche Bedeutung diese Form der Bewegung, aber auch die Begegnung zwischen den Menschen mit und ohne Behinderungen hat. Das gemeinsame Erleben von Erfolgen und das Kennenlernen der anderen Seite trägt entscheidend zur Inklusion innerhalb der Gesellschaft bei. Schade, dass diese speziellen Möglichkeiten aktuell nur einmal im Jahr für die breite Öffentlichkeit erfahrbar werden können. Bis zur Umsetzung des Konzeptes auf dem eigenen Gelände als Inklusions-, Freizeit- und Erlebnisort ist es noch ein weiter Weg. Um so motivierter schaut das bub-Team nach den Erfahrungen eines solchen Tages in die Zukunft und arbeitet darauf hin, diese Möglichkeiten als dauerhaftes, öffentliches Angebot umzusetzen.

Fotos: © udo leist

Unser Rückblick auf das Sommerfest 2017

Das bub-Sommerfest 2017 wird ohne Zweifel in die Annalen des Vereins eingehen. Zum ersten Mal nach Vereinsgründung wurde das Projekt  und die Projektidee sichtbar. Was aber viel wichtiger ist, Begegnung und Bewegung wurde am 5. August 2017 an DER Stelle, die sich bisher nur als grüne Wiese präsentiert, erlebbar – und das wirklich eindrucksvoll.

Details dazu gibt es später. Zunächst sei uns ein allgemeiner Rückblick gestattet. Während die letzten der umfangreichen organisatorischen und logistischen Vorbereitungen liefen, hatten Banner auf die Veranstaltung hingewiesen und am 5. August war schon von weitem zu sehen, dass es endlich los geht und das BuB-Team und seine Unterstützer so Einiges auf die Wiese gestellt hatten. Hatte sich in der vorausgegangenen Woche das Projekt “Abenteuerspielplatz” im Rahmen des Ferienprogrammes der Herzogsägmühle schon ausgebreitet, so gruppierten sich ganz andere Attraktionen nun rundherum auf dem Gelände. Ein großes Tipi, ein Kletterturm, ein LKW mit Kranausleger, das waren die augenfälligsten Objekte schon aus der Ferne. Dazu kamen verschiedene Infostände, die Veranstaltungsbühne, Verpflegungseinheiten wie der Hendl-Stand, die Getränke-Kaffee-Kuchen-Bar, und natürlich Sitzgelegenheiten mit und ohne Schatten. Der Eintritt war frei, die Action sowieso und selbst das für den Abend angekündigte Live-Konzert der DiePlomaten kostete keinen Eintritt. Lediglich für Speis und Trank mussten die Besucher bei sehr angemessenen Preisen einen Obolus bezahlen. Damit war der Rahmen für ausgiebige Bewegung und Begegnung geschaffen.

Wer nun, auf welchem Weg auch immer, das barrierefreie Gelände erkundete, konnte noch weitere Aktionsflächen und Bewegungsangebote entdecken. Eines davon war der Rolli-Parcour, der mit einigen Überraschungen aufwartete die man erst bemerkt und nachvollziehen kann, wenn man direkt damit konfrontiert wird. Und das bedeutet – im Rollstuhl. So konnte jeder Besucher ausprobieren, wie es sich anfühlt, in einem Rollstuhl zu sitzen und sich damit fortbewegen zu müssen. Dazu standen verschiedene Fahrzeug-Modelle zur Verfügung. Hatte man das “Rollen” erst einmal geschafft ging es auf den Parcours, der aber eigentlich für Rollifahrende nichts anderes bedeutet als Alltag. Hindernissen ausweichen, Objekte umfahren, Unebenheiten überwinden, das waren selbst für sportliche Besucher zum Teil Herausforderungen, die zwei bis drei Anläufe brauchten um gemeistert zu werden. Dazu ließen sich aber erfreulicherweise viele Besucher, ob jung oder älter motivieren und sie bekamen unermüdlich Tipps und Hilfestellung von Tine Kuisel und ihrer Tochter aus dem Rolliwelten-Team. Die Besucher spürten selbst, dass augenscheinlich kleine Dinge zu großen Problemen werden können. Manch einer wird nach dem Bub-Sommerfest seine alltägliche Umgebung mit etwas anderen Augen sehen.

Weiter geht es zum Klettern. Auf dem Bereich Klettern liegt der absolute Fokus unseres Vereins wenn es um Bewegungsangebote geht. Welche allgemeine, aber auch therapeutische Bedeutung Klettern besitzt wollen wir an anderer Stelle ausführen, aber es ist klar, dass insbesondere dem Klettern auf unserem Sommerfest besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Dies machten zwei Kooperationspartner möglich. Das Team des “Ich will da rauf!” e.V. aus München, die mit Ihrem mobilen Kletterturm vor Ort waren und das Team vom Kletterwald Garmisch-Partenkirchen, die mit ihrem Klettertau mit Kugeln am Kranausleger eine andere Art des Klettern anboten, als es am Turm der Fall ist. Beiden gemein war, dass man eine besondere Aussicht auf das Gelände genießen konnte, wenn man es bis oben geschafft hatte.
Mit immerhin ca. 8 Metern ist der etwas überhängende Kletterturm schon eine Herausforderung, der sich aber gerade die jüngeren Besucher mit wachsender Begeisterung stellten. Von den jeweiligen Teams fachgerecht mit Klettergeschirr ausgestattet und  gesichert konnte jeder der wollte an den Turm und sich über die angeschraubten Griffe nach oben vorarbeiten und am “Gipfel” das kleine Glöckchen anschlagen. Das war auf jedem Weg möglich oder aber auf bestimmten, je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedlich eingefärbten Routen. Ein ganz andere Art des Klettern wurde am Klettertau mit den Holzkugeln verlangt. Dort gab es keine Griffe sondern lediglich das Tau und die fest daran montierten Holzkugeln, auf denen man sich ausruhen und verweilen konnte. Das Ganze auch hier vom Team gewissenhaft und fachgerecht gesichert.  Natürlich standen beide Klettergelegenheiten für alle Interessierten mit und ohne Handicap zur Verfügung. Und dieser inklusive Gedanke schien Simon zu gefallen. Vielleicht hatte er auch nicht weiter darüber nachgedacht. Aber er hatte für sich einen spontanen Wunsch formuliert: “Ich will da oben an die Glocke.”

Simon will’s wissen. Simon besuchte zusammen mit seinen Eltern unser Sommerfest. Sie erkundeten wie viele andere das Gelände und beobachteten die Aktiven an den einzelnen Bewegungsangeboten. Besondere Aufmerksamkeit fiel dabei auch auf den Kletterturm. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es machte einfach Spaß dabei zuzusehen, wie die meist jüngeren Kletterer sich entlang der bunten Griffe ihren Weg nach oben suchten um an die Glocke zu kommen. So auch Simon, der plötzlich seinen Wunsch formulierte auch mal an die Glocke da oben zu wollen. Damit waren das Team von BuB und dem IWDR sofort motiviert genau das möglich zu machen.

Simons Eltern unterstützten das und so ging es raus aus dem Rolli, rein ins Klettergeschirr, angeseilt und entsprechend unterstützt an den Kletterturm. Dort versuchte Simon dann mit den Händen und Füßen Verbindung zu den Griffen am Turm aufzunehmen und – entsprechend unterstützt – seinen Weg zu gehen. Für ihn war es eine große Leistung selbständig nach den nächsten Griffen zu packen und sich dort festzuhalten und er war sehr motiviert weiter zu kommen. Einige Griffe weiter zeichnete sich ab, dass die Glocke zwar noch außerhalb seiner Reichweite war, er aber für seine Verhältnisse schon Großes geleistet hatte. Als Simons Vater ihn fragte ob er noch weiter nach oben wolle oder lieber wieder herunter entschied Simon sich für den Abstieg. So konnte er sich ins Seil hängen und wurde heruntergelassen, was ihm sichtlich Freude bereitete. Es ist eben nicht alltäglich für einen Rollstuhlfahrer die Perspektive zu wechseln. Das betrifft die Perspektive auf die eigene Umgebung genauso wie die Perspektive auf seine eigenen Möglichkeiten. Und das begeisterte nicht nur Simon und seine Eltern, sondern auch alle Besucher, die Simons kleinen Ausflug am Kletterturm mitbekommen hatten. Inklusiver hätte die Begegnung kaum ausfallen können.
Darüber machte sich Simon allerdings keine Gedanken. Er war durch das gerade Erlebte voll motiviert und wollte von seinen Eltern gleich zum nächsten großen Abenteuer geschoben werden. Er hatte den Flying-Fox ins Auge gefasst.

Der Flying Fox war eine weitere Bewegungs-Station bei unserem Sommerfest, die durch unseren Kooperationspartner Andreas Hertle vom Kletterwald GAP ermöglicht wurde. Aus einer Schneise im angrenzenden Waldstück heraus war eine Seilbahn in entsprechender Höhe an einem Baumstamm installiert worden, über die sich die Besucher, hatten Sie erst Ihr Klettergeschirr angelegt und gesichert, die Plattform auf dem Baum erklommen und an einem Seil hängend herunter fahren konnten. Am anderen Ende war das Seil an einem Fahrzeug befestigt und entsprechend abgesichert, so dass eine seichte Ankunft gewährleistet war.

Viele der jüngeren Besucher hatten großen Spaß bei der rasanten Abfahrt und das wollte Simon auch. Er kann zwar die Leiter aufs Podest im Baum nicht erklimmen, aber das sollte kein Hindernis darstellen. Dann ziehen wir ihn eben einfach hoch, kam die schnelle Antwort als Simons Eltern noch über seinen Wunsch nachdachten. Bub machts möglich und so wurde Simon erneut ausgerüstet, aus seinem Rolli befreit und ans Fahrseil gehangen. Schnell war er zur Plattform hochgezogen und konnte die rasante Fahrt hinunter ebenso genießen wie die Kinder und Jugendlichen vor ihm und nach ihm. Welchen Spaß er dabei hatte sieht man auf dem Bild. Und der aufmerksame Betrachter sieht auch welche emotionale Wirkung das auf die umherstehenden Besucher hatte. Das ist Bewegung und Begegnung wie wir uns das vorstellen. Das muss Alltag werden, nicht nur in unserem Projekt und auf diesem Gelände, sondern jeden Tag und bei allen möglichen Gelegenheiten. Ohne zunächst darüber nachdenken zu müssen, ob das überhaupt möglich ist. Es geht und das ist Inklusion.

Viele weitere Aktivitäten luden die Besucher zum Mitmachen ein. Auf dem angrenzenden Gelände der Herzogsägmühler Bogenschützen konnten sich Interessierte unter Anleitung mit Pfeil und Bogen auf dem Schießstand versuchen. Slacklines in verschiedenen Schwierigkeitsstufen luden zum Balancieren ein, in und auf den Bauwerken des Abenteuerspielplatzes wurde weiter gebaut oder einfach herumgeklettert. Speis und Trank luden zum Beisammensitzen und Kennenlernen ein und im Dunkelzelt konnten zu verschiedenen Zeiten ganz andere Erfahrungen gemacht werden. Nicht zu vergessen das große Tipi als Begegnungs- und Aktionsfläche mit besonderem Flair. Also für jeden viele Möglichkeiten sich zu Begegnen oder sich zu Bewegen, ob mit oder ohne Handicap. Kurzfristig spannend wurde es noch, als am Nachmittag unverhofft die Landwirtschaft mit großem Gerät das Gelände passieren musste um die Ernte einzufahren. Was nicht passt wurde passend gemacht. Für die Durchfahrt wurden bei allen Ständen kurz die Läden heruntergeklappt und so konnten auch der Mähdrescher und die Schlepper samt Anhänger “mal eben” durch.

Als es dann langsam dunkler wurde, kam plötzlich Leben auf die Bühne. Die Musiker der Band “Die Plomaten” fanden sich schon mal zum Soundcheck ein. Das wurde ein kleiner Appetizer für das Abendprogramm. Nachdem Stefan Jenuwein als Vorsitzender allen Mitgliedern, Helfern und Unterstützern seinen ausdrücklichen Dank übermittelt hatte – schließlich wäre diese Veranstaltung ohne die Kooperationspartner und Helfer gar nicht möglich gewesen – und all jene auf die Bühne geholt und vorgestellt hatte, wurde die Bühne für den Auftritt der DiePlomaten geräumt.

Ein stimmungsvoller Abschluss einer Veranstaltung, die uns und vor allem die Besucher hat erleben lassen was möglich ist, wenn der geeignete Rahmen dafür geschaffen ist, das richtige Team mit wegweisenden Ideen konsequent an der Umsetzung arbeitet und was das im Hinblick auf eine inklusive Gesellschaft bedeuten kann. In diesem Sinne arbeiten wir weiter an der Umsetzung unserer Idee und wünschen uns vielfältige Unterstützung.

Fotos: © udo leist

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